Klinische Erfahrungen

Die Bestrahlung von Krebs mit Protonen wurde erstmalig Ende der 40er-Jahre von dem Atomphysiker Robert R. Wilson vorgeschlagen. Seit den 50er-Jahren sind weltweit bislang über 70.000 Krebspatienten erfolgreich mit Protonen behandelt worden – zumeist in physikalischen Forschungseinrichtungen, deren Möglichkeiten sich allerdings auf bestimmte Tumorformen und relativ wenige Patienten pro Jahr beschränken.

Den Patienten kommt zugute, dass die lokale Dosiswirkung in der konventionellen Röntgenbestrahlung für die Bestrahlung mit Protonen mit dem Faktor 1:1,1 übernommen werden kann. Der biologische Wirkmechanismus beider Strahlungsarten ist nämlich grundsätzlich der gleiche: die Abspaltung von Elektronen aus einem Molekül – die „Ionisation“. Dies führt über Zwischenschritte zur Zellkernschädigung und bei der nächsten Teilung der Zelle zu ihrem Absterben.

Erfahrungen im Hinblick auf Dosis-Wirkungsbeziehungen liegen aus 100 Jahren Strahlentherapie vor. Der entscheidende Vorteil der Protonen – insbesondere mit dem am RPTC angewandten Scanningverfahren- liegt in der hervorragenden Dosis-Verteilung: Konzentration im Tumor – Schonung im Gesunden.

„Vollklinisch” tätige Anlagen, die die Behandlung aller Körperregionen an großen Patientenzahlen erlauben, gibt es derzeit im Wesentlichen nur in den USA und in Japan. Mehr Informationen dazu finden Sie in den unten dargestellten Tabellen. Zentren, die bisher viele Erfahrungen sammeln konnten, befinden sich an der Loma Linda University bei Los Angeles, in Boston am Massachusetts General Hospital der Harvard University sowie an der renommierten MD Anderson Klinik in Houston Texas. In Deutschland gibt es neben dem RPTC das Hahn-Meitner-Institut (HMI) in Berlin, das allerdings nur Tumorbehandlungen am Auge vornimmt.

Mit Ausnahme des RPTC und der Forschungsinstitute Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villingen/Schweiz und HIT Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum arbeiten in Europa alle Anlagen mit der älteren, schablonenkontrollierten Scattering-Methode.