Klinische Vorteile der Protonentherapie

Durch Protonenbestrahlung sind höhere wirksame Dosen im Tumor möglich, bei gleichzeitig viel geringeren Nebenwirkungen

Verbesserte Heilungschancen

Durch die gezielte Bündelung der Protonenenergie direkt im Tumor verringert sich die Gesamtstrahlendosis im gesunden Gewebe in Abhängigkeit der jeweiligen Tumorgeometrie auf ein Drittel oder weniger im Vergleich zu einer Röntgenbestrahlung mit gleicher Tumordosis. Das ermöglicht eine Steigerung der therapeutisch wirksamen Dosis, sodass die Tumorzellen zuverlässiger zerstört werden. Theoretisch lassen sich dadurch die Heilungschancen bei noch nicht metastasierten Tumoren erhöhen, in der Literatur werden bei Chordomen der Schädelbasis z.B. Steigerungen von 20 bis 55% „local control rates“ bei Röntgen auf 70 bis 80% bei Protonen angegeben (z.B. PSI Scientific Report 2007 des Paul Scherrer Instituts in Villingen, Schweiz). Analysen von über 2.000 Protonen-Patienten ergaben Tumorheilungen um 98%.

Verringerte Nebenwirkungen

Häufig belastet eine Strahlentherapie den Organismus so stark, dass ein stationärer Aufenthalt notwendig ist. Das günstige Verhältnis von Nutz- zu Schadensstrahlung bei der Protonentherapie dagegen erlaubt neben der Erhöhung der nebenwirkungsbegrenzten therapeutischen Tumordosen gleichzeitig, die Schadensdosen im gesunden Gewebe zu verringern. Dadurch wird die Protonenbestrahlung vergleichsweise gut vertragen, sodass sie in den meisten Fällen problemlos ambulant durchgeführt werden kann. Außerdem sinkt das Risiko eines sekundären Tumors als Spätfolge der Bestrahlung erheblich. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen strahlungsinduzierten Tumors kann 1 Prozent pro verbleibende 10 Lebensjahre betragen. Kinder müssen daher nach welteinheitlicher Meinung, wenn überhaupt, mit Protonen bestrahlt werden.

Wachsende Behandlungsmöglichkeiten

Aufgrund der fehlenden Strahlung hinter dem Tumor können mit Protonen auch Krebsformen erfasst werden, bei denen eine Bestrahlung bisher zu riskant war. Dazu gehören etwa Tumoren in der Nähe von Rückenmark oder Stammhirn, Bronchialkarzinome (Lungenkrebs) oder multiple Metastasen. So wird zum Beispiel die Bestrahlung der Augennetzhaut möglich, ohne dass der dahinter liegende Sehnerv und das Gehirn geschädigt werden.

Kürzere Behandlungszeit

Da bei der Protonenbestrahlung höhere Einzeldosen pro Sitzung möglich sind, kann die Zahl der notwendigen Sitzungen gegenüber der Röntgenbestrahlung häufig deutlich reduziert werden. Das bedeutet eine Entlastung für die Betroffenen und erlaubt es, die Patienten in kürzerer Zeit zu behandeln.